Umsetzungsplan für Wüstenstrom bis 2050

 

 

 

Drei Fragen an Dr. Aglaia Wieland,
verantwortlich für den langfristigen Umsetzungsplan bei der Dii

          

                                                                                                                              

Frau Dr. Aglaia Wieland ist als Geschäftsführerin der Dii verantwortlich für die Strategie und den langfristigen Umsetzungpslan. Bevor Frau Wieland vor zwei Jahren als Senior Strategy Director bei der Dii einstieg, war sie als Beraterin für die Boston Consulting Group in Deutschland und im Nahen Osten tätig. Sie verfügt über internationale Erfahrung bei Projekten im Bereich Industriegüter und erneuerbare Energien sowie bei Wachstums- und Internationalisierungsstrategien.

 

Frau Dr. Wieland, wie möchte die Dii das Ziel erreichen, einen beträchtlichen Teil des regionalen und des europäischen Stromverbrauchs mit erneuerbarer Energie aus der Wüste zu decken?

Zuallererst ist es unser Ziel, Wegbereiter dieser Entwicklung zu sein. Wir entwickeln einen Umsetzungsplan, der als Richtschnur für die Investitionen und Finanzierung der erneuerbaren Energien aus der Wüste in den kommenden 40 Jahren dient. Mit diesem Umsetzungsplan wird ein Weg zur schnellstmöglichen Integration von erneuerbaren Energien in den Markt ohne Subventionen gewiesen. Wie sich die erzeugten und übertragenen Mengen dann mit der Zeit entwickeln, hängt von vielen Faktoren ab - hauptsächlich davon, ob die Infrastruktur schon vorhanden ist oder ausgebaut werden muss und auch von der Differenz zwischen Erzeugungskosten und Marktpreisen. Wir schätzen, dass die erneuerbaren Energien aus den nordafrikanischen und nahöstlichen Wüsten zwischen 2020 und 2025 konkurrenzfähig werden könnten.


Welche Form hat dieser Umsetzungsplan?

Wir analysieren grundsätzlich, wie die Energiesysteme in der EU-MENA-Region bis 2050 gestaltet werden könnten. Dabei untersuchen wir alle heute verfügbaren, wichtigen Erzeugungstechniken und prüfen die Erschließungskosten. Außerdem betrachten wir verschiedene Szenarien des Stromaustausches zwischen der MENA-Region und Europa sowie die Stromübertragungskapazitäten zwischen den Ländern. Wir berücksichtigen auch externe Faktoren wie die Entwicklung der Nachfrage, die Brennstoffverfügbarkeit und die politischen Prioritäten der verschiedenen beteiligten Nationen. Danach identifizieren wir bestimmte Phasen bis 2050 mit besonderen Empfehlungen für die beteiligten Interessengruppen: Zuerst die "Referenzprojektphase" bis 2020 mit geringen Projektmengen und Konzentration auf herausragende Pilotprojekte, welche die Unterstützung der Politik und den Zugang zu öffentlichen Geldern sichern. Danach planen wir eine "Aufbauphase" mit größeren Projektmengen und einer höheren Gesamtbelastung der internationalen Geldgeber. Die aus der ersten Phase gezogenen Lehren können eine Überprüfung der Strategie nach sich ziehen. Investitionen in die Übertragungsinfrastruktur müssen zudem angeregt werden. Ab 2030/2035 erwarten wir, dass der Markt für erneuerbare Energien aus der Wüste selbstständig funktioniert. Bis zu diesem Zeitpunkt sollten die Techniken ausgereift und wettbewerbsfähig in Bezug auf die Kosten sein. Dann kann die Unterstützung auslaufen. Wir möchten für jede Phase umsetzbare und spezifische Empfehlungen entwickeln.


Wie gelangt die Dii zu ihren Schlussfolgerungen?

Die Dii ist in fünf Arbeitsgruppen gegliedert, die sich mit Erzeugungs –und Übertragungstechniken sowie Markt- und Finanzierungsthemen, dem integrierten EU-MENA-Stromsystem und den sozialökonomischen Aspekten der Desertec-Vision beschäftigen. In den Arbeitsgruppen bündeln die Mitarbeiter von Dii und die Vertreter der Gesellschafter und der assoziierten Partner ihre Kenntnisse - vom betrieblichen Know-how bis hin zur wissenschaftlichen Analyse - und kommen so zu validen Ergebnissen. Die Arbeitsgruppen tauschen ihre Erkenntnisse mit den drei Lenkungsausschüssen aus, die für die drei Ziele der Dii bis 2012, nämlich den Umsetzungsplan, die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Referenzprojekte, verantwortlich sind. Dies führt zu der einzigartigen Situation, dass die Dii Ergebnisse vorlegen kann, die sowohl von Wissenschaftlern als auch von sachkundigen Praktikern entwickelt, diskutiert und überprüft wurden.

 

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