
Dii und Desertec
Was ist Desertec? Was ist die Dii?
Desertec steht für die allgemeine Vision einer nachhaltigen Stromversorgung für alle Regionen der Welt mit Zugang zum Energiepotenzial von Wüsten. Die Dii ist eine Industrieinitiative, die sich für die Realisierung von Desertec in der EUMENA-Region (Europa, Naher Osten und Nordafrika) einsetzt. Konkret sollen die Rahmenbedingungen für die großflächige Nutzung von Sonnen- und Windenergie in den Wüsten geschaffen werden. Der nachhaltig erzeugte Strom kann fossile Brennstoffe und Kernenergie ersetzen und zudem die Entwicklung der Region fördern. Wüstenstrom soll zunächst die Bevölkerung in den Erzeugerländern versorgen und die Länder in die Lage versetzen, Strom nach Europa zu exportieren. Desertec ist eine Vision, eine Idee, kein zentral gesteuertes einzelnes Projekt. In Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren (Regierungen, Unternehmen) werden viele Einzelprojekte zur Erzeugung und Übertragung von Strom aus erneuerbaren Energien entstehen. Die Dii ist in diesem Prozess ein Wegbereiter, Katalysator und Koordinator.
Gegründet wurde die Dii im Oktober 2009 in München als internationales Konsortium, das inzwischen von mehr als 55 Unternehmen und Organisationen getragen wird. Darunter sind auch die gemeinnützige DESERTEC Foundation sowie die zwei Forschungsgesellschaften Fraunhofer und Max-Planck. Bis Ende 2012 sollen die wichtigsten politischen, rechtlichen, regulatorischen, ökonomischen und technologischen Rahmenbedingungen zur Realisierung der Desertec-Vision geschaffen werden.
Die Dii setzt sich für die Entwicklung eines Marktes für erneuerbaren Energien ein. Vom Ergebnis der Arbeit der Dii werden direkt und indirekt nicht nur die Gesellschafter und Assoziierten Partner der Dii selbst profitieren, sondern darüber hinaus auch alle anderen interessierten Unternehmen, Initiativen, Staaten und die Volkswirtschaften insgesamt.
Was sind die Ziele der Dii?
Die Dii hat als Wegbereiter drei Ziele:
- Schaffung eines positiven Investitionsklimas: Entwicklung von technischen, ökonomischen, politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen, die in Nordafrika und dem Nahen Osten Investitionen in erneuerbare Energien und mit einander verbundene Stromnetze wünschenswert und möglich machen.
- Initiierung einiger ausgewählter Referenzprojekte, um die Machbarkeit zu zeigen und Kosten zu senken
- Entwicklung eines langfristigen Umsetzungskonzepts (Roll-out Plan) bis zum Jahr 2050 inklusive Investitions- und Finanzierungsempfehlungen. Erneuerbare Energien sollen möglichst schnell in den Markt integriert und von Subventionen unabhängig werden.
Will das Desertec-Konsortium selbst Kraftwerke bauen?
Nein. Die Dii übernimmt als Industrieinitiative die Rolle eines Wegbereiters. Sie sorgt dafür, dass Entwicklungen eingeleitet werden. Sie wird weder eigene Investitionen tätigen noch als Bauherr oder Betreiber von Kraftwerken auftreten. Im Mittelpunkt der Planungsphase bis Ende 2012 stehen die Schaffung der geeigneten Rahmenbedingungen und die Planung einer langfristigen (Markt-)Struktur für erneuerbare Energien, um nachhaltige Engagements öffentlicher und privater Investoren in Solar- und Windparks sowie Verbundnetze attraktiv zu machen. Die Dii möchte außerdem mit den zuständigen Stellen in nordafrikanischen Ländern zwei bis drei Referenzprojekte auf den Weg bringen, um die Umsetzbarkeit der Desertec Vision zu demonstrieren.
In welcher Verbindung steht die Dii zu dem Mediterranean Solar Plan (MSP) und dem französischen Konsortium Medgrid?
Die Stromübertragung von Nordafrika zu den europäischen Märkten ist ein Schlüsselelement der Desertec-Vision. Die Dii sieht sich als Wegbereiter, der einen Markt entwickeln will. Deshalb begrüßt die Dii alle Initiativen, die zu dieser Entwicklung beitragen. Die Gründung von Medgrid, einer internationalen Initiative, die von der französischen Regierung initiiert wurde, schätzt die Dii sehr positiv ein. Dii und Medgrid sind komplementär, haben zum Teil dieselben Gesellschafter: Die Dii nimmt die gesamte Wertschöpfungskette von der Energieerzeugung, Übertragung bis zur Entwicklung der Strommärkte bis 2050 in den Blick, während sich Medgrid auf ausgewählte Übertragungsfragen im Mittelmeerraum bis 2020 konzentriert. Im November 2011 haben die beiden Industrieinitiativen in Brüssel eine Vereinbarung unterzeichnet, um ihre Zusammenarbeit in der Entwicklung und Übertragung von erneuerbaren Energien im industriellen Maßstab aus den Wüsten zu stärken. Dies alles findet vor dem Hintergrund des Mittelmeer-Solarplans (MSP), einer politischen Initiative im Rahmen der Union für das Mittelmeer (UfM) statt. Dii und Medgrid werden ihre Kräfte bündeln und eng zusammenarbeiten.
Warum wird Desertec oft als „400-Mrd.-Euro-Projekt“ bezeichnet?
Das von der DESERTEC Foundation vorgelegte Konzept basiert vor allem auf Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die oft mit Desertec in Verbindung gebrachte Zahl von 400 Mrd. EUR stammt aus einem von mehreren DLR-Szenarien aus dem Jahr 2005. Bei dieser Zahl handelt es sich um die grob geschätzte Gesamtsumme von Investitionen für solarthermische Kraftwerke und Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ), die notwendig wären, um im Jahr 2050 bis zu 17% des europäischen Strombedarfs aus den Wüsten Nordafrikas und des Nahen Ostens zu decken. Die Zahl bezieht sich in diesem theoretischen Szenario auf die gesamten kumulierten Investitionen bis zum Jahr 2050, also über die nächsten vier Jahrzehnte in vielen Ländern. Einerseits kann dieses Szenario nicht eins zu eins in die Wirklichkeit übertragen werden. Zum anderen wird durch diese Zahl suggeriert, bei Desertec handele es sich um ein einziges, 40 Jahre dauerndes Großprojekt, dessen Gesamtkosten man rechnerisch ermitteln könne. Dies entspricht aber nicht der Realität, da sich die gesamte Entwicklung in vielen Schritten und in vielen Ländern in enger Zusammenarbeit mit Regierungen, Netzbetreibern und vielen anderen Akteuren marktgerecht entfalten wird. Die Gesamtkosten der Desertec-Vision werden wesentlich geringer sein als die zu erwartenden Kosten, falls man weiterhin auf fossile Brennstoffe und Kernenergie setzen würde.







